Januar 24

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Mutige Entscheidungen; die Reise vom Kopf ins Herz

By Bianca Merz

Januar 24, 2024

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September 1995. Ich sitze zitternd in der Ankunftshalle des Aeropuerto El Alto in La Paz. Doch nicht vor Kälte. Vor lauter Gefühlsexplosion in mir! Ein Gewusel aus Vorfreude und Stolz über die gemeisterte erste Hürde und gleichzeitig Unsicherheit und Unwohlsein. Dies war der Beginn meiner Reise ins Bergland Boliviens, ein Entscheid, der mich in neue Welten führen sollte.

Ich erinnere mich an den mutigen Entschluss, nach Südamerika zu reisen, um Spanisch zu lernen, anstatt dem Trend zu folgen und nach Australien zu gehen. Mit einem Rucksack und einem einzigen Satz Spanischkenntnissen wagte ich den Sprung ins Unbekannte. Meine Ankunft in Bolivien brachte eine Herausforderung mit sich, als mein begrenztes Spanisch am internationalen Flughafen nicht ausreichte. Trotz eines Weiterflugtickets nach Cochabamba drohte ich, gestrandet zu sein. Die Kommunikation mit dem Bodenpersonal scheiterte, bis ein Telefonat mit einem Englisch sprechenden Offizier die Lösung brachte. Die Erinnerungen an diesen prägenden Moment spiegeln den Mut wider, neue Pfade zu betreten und die Unsicherheiten des Unbekannten zu akzeptieren. Die Reise nach Bolivien wurde zu einem Kapitel voller Erfahrungen und einem Meilenstein in meiner persönlichen Entwicklung.

Mutige Entscheidungen

Die Ureinwohner Amerikas haben den Spruch geprägt dass die längste Reise des Lebens diejenige vom Kopf ins Herz ist. Wenn ich an meine besten und prägendsten Entscheide im Leben zurückdenke, waren es stets solche, in welchen ich meinem Herzen folgte. Meinem Coeur. Couragiert. Mutig.

Neben meinem ersten Südamerikaabenteuer ohne Spanischkenntnisse prägen diverse Mut-Geschichten meinen Lernweg – daraus drei Beispiele:

2003, einem Jahr in welchem die Wirtschaft nicht gerade florierte und Jobs nicht auf der Strasse lagen – kündigte ich meinen tollen Job beim SR DRS, stellte meine Möbel ein und ging ein Jahr reisen. #weltenentdecken

Vor 10 Jahren stellte (s)ich mein ganzes Leben auf den Kopf. Ich vergesse nie den Moment als ich in einer WG auf der Matratze sass, um mich herum all mein materielles verbleibendes Gut. Meine Kleider, Bücher und mein Laptop. #waszähltimleben

Vor drei Jahren gab ich meinen 40%-Job als Case Managerin auf. Dies obwohl er mir neben der Selbständigkeit mein finanzielles sicheres Grundrauschen sicherte und ich stets von sämtlichen Stakeholdern angefangen bei den betroffenen Personen, zu den auftraggebenden Unternehmen über die Sozialversicherung bis zu den Ärzten über alles gelobt wurde und mir versichert wurde, ich sei die ideale Besetzung. #nurweilduesgutkannstmusstduesnichttun

Die Macht der inneren Stimme

Die Entdeckung der inneren Stimme und der Mut, ihr zu folgen, stellen eine facettenreiche Reise dar. Wie fand ich in jeder Situation meinen Mut und was nährte ihn? Diese Fragen sind individuell und stark kontextabhängig. Der Entschluss, alles hinter sich zu lassen, fällt als 20-Jährige leichter als mit 40. Insbesondere in der kostspieligen Schweiz bedeutet ein Leben ohne gesichertes Einkommen und Pensionskasse eine besonders mutige Entscheidung im Vergleich zu anderen Orten.

In jedem Fall war es meine innere Stimme, mein Herz oder Bauchgefühl, die letztendlich den Ausschlag gab. Auf sie konnte ich stets vertrauen. Wenn ich einmal nicht auf sie hörte, reagierte mein Körper mit Krankheiten oder es traten Hindernisse auf, die mir zeigten, dass mein vermeintlicher „Erfolgsweg“ nicht der richtige war.

Trotz der vorherrschenden Rolle meiner Intuition begleiten diverse rationale Überlegungen diesen Entscheidungsprozess.

Die Reise vom Kopf ins Herz

Die Reise vom Kopf ins Herz markiert den Beginn jeder meiner mutigen Entscheidungen. Dabei entfaltet sich der Prozess zunächst unbewusst im Körper und anschliessend bewusst im Kopf. In meinem Repertoire befinden sich zahlreiche Werkzeuge des Verstandes, die ich häufig vor dem Zuhören meines Herzens einsetze. Doch gelingt es mir zunehmend, mehr Vertrauen zu entwickeln und die Kontrolle loszulassen. Die reichhaltige Erfahrung, dass ich meiner inneren Stimme vertrauen kann, motiviert mich zu immer neuen mutigen Entscheidungen. Die herausforderndsten davon betreffen weiterhin Situationen mit direkten Auswirkungen auf mir wichtige Menschen. Oder solche, wenn es um potentielle neue Aufträge geht die ich finanziell gut brauchen könnte, die aber nicht passen aus Herzensgründen.

Die Betonung liegt auf dem Vertrauen in mich selbst und auf die Führung meiner inneren Stimme. Diese Erkenntnis unterstreiche ich immer wieder bewusst. Das resultiert in einer tieferen Selbstverwirklichung und einem gesteigerten Mut. Und es zeigen sich ja dann immer neue – ungedachte Wege! Wie meine Grossmutter Anna immer sagte: „Es tuet sich wieder es Tüürli uf“ …

Noch eine wichtige Anmerkung: ich sage nicht, dass dieser Weg einfach ist und jeder mutige Entschluss zu einem einfacheren Leben führt. Doch er verspricht ein vielseitigeres, lehrreicheres, buntes und lebendigeres Dasein.

Morgenrosa am 23.01.24

Werkzeuge des Verstandes

Zu meinen ergänzenden rationalen Überlegungen bei Entscheiden gehören Verstandeswerkzeuge wie u.a. folgene Klassiker: – Killerkriterienlisten, -Meinungsumfragen, -Vor- und Nachteile abwägen (qualitativ und quantitativ), – Szenarien mit Best- und Worst-Case skizzieren. Auch hilfreich um mein Ego zu beruhigen empfand ich stets folgende Übung:

Schreibe mögliche Hindernisse und Probleme auf, die sich aufgrund deines Mut-Entscheides einstellen könnten. Hindernisse können in dir oder ausserhalb von dir liegen. Dann überlege für jedes Hindernis, was du tun könntest, um es zu verhindern und was du tun kannst, falls es tatsächlich auftritt:
„Damit __________ nicht passiert, werde ich __________ und wenn __________ passiert, werde ich __________.“

Ein sehr empfehlenswertes Werkzeug ist zudem das “Tetralemma”. Wenn dieses nicht nur gedacht, sondern auch aufgestellt und gespürt wird ist es ein super Hilfsmittel, gerade um Herz und Verstand zu verbinden bzw. die Unterschiede bewusst zu machen.

Was mir abschliessend auch stets hilft, sind die Worte von Vera Birkenbihl in einem ihrer legendären Vorträge: “Wie würden Sie entscheiden, wenn Sie nur noch einen Tag zu leben hätten…”.

Warum es sich lohnt

Ich weiss, dass ich mit meinen Erfahrungen nicht alleine bin. Und dass die eigene Intuition ein kraftvolles Werkzeug auf dem Weg zum Mut ist. Mut und Optimismus helfen mir und dir, echte Entscheidungsfreiheit zu erlangen, alte Muster zu durchbrechen, originelle Ideen hervorzubringen und in unsicheren Zeiten beharrlich zu handeln. Auch entgegen des Mainstream.

Mir gelingt dies am besten, wenn ich draussen bin. Wenn ich mein Alltägliches Tun unterbreche und nur fühle und höre. Was mir auch hilft, sind Gespräche mit Menschen, denen ich vertraue.

Stehst du vor einer Entscheidung? Dann ermutige ich dich dazu, auf deine innere Stimme zu hören. Wage die Reise vom Kopf ins Herz und entdecke dabei nicht nur mutige Entschlüsse, sondern entwickle auch einen der 23 entscheidenden Fähigkeiten der Inner Development Goals. Diese transformatorischen Skills sind unentbehrlich für eine nachhaltige Entwicklung in unserer Welt. Vertraue deinem Inneren. Möge diese Reise zu einem erfüllenden und lebendigen Kapitel in deinem Leben werden.

 

Ein kleiner und wichtiger Nachtrag: Nachdem ich in Cochabamba angekommen war, besuchte ich während drei Wochen die Sprachschule Runawasi und meine Spanischkenntnisse reichten danach wunderbar um Südamerika zu entdecken. Meine damalige wunderbare Lehrerin Carmen Vega  hat inzwischen in Cochabamba ihre eigene Sprachschule eröffnet.

 

 

 

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    • Oh danke dir, liebe Bianca – deine sehr hilfreichen Impulse im Journalingkurs haben mir sehr zu diesem Text verholfen! Da kamen plötzlich ganz alte Erinnerungen wieder ins Bewusstsein. Und ich war selber überrascht wie mutig ich oft auch war ;-).

  • Toller Text. Glückwunsch! Kürzlich habe ich diesen passenden Satz aufgeschnappt: „Ich kann niemals scheitern; entweder gewinne ich – oder ich lerne.“

    • Lieben dank dir – auch für den passenden Satz! Das Leben schenkt uns schon die Erfahrungen, die wir machen dürfen/müssen … lernen oder gewinnen, je nach Brille ;-).

  • Oh Bianca, sooo cool 😊. Ich habe den ganzen Text aufgesogen, weil so passend zu meinem Leben, eigentlich schon lange, aber immer akuter, je länger ich nichts entscheide. Ich muss dringend in mich gehen und deinen Rat befolgen und mutig werden. So wie damals in Bolivien, wo in jungen Jahren alles noch so einfach schien.

    • Hach liebe Nadja, vielen Dank dir für deine Rückmeldung. Du warst ja mein Vorbild mit der Bolivien-Idee und warst ein paar Jahre vor mir da – und du hast mir damals auch den einen spanischen Satz beigebracht 🙂 – evtl. hast nur vergessen WIE mutig du bist. Herzlichst, Bianca

  • Das Herz, Frau Merz
    Ich erlebe dich, auch hier wieder im Blog, sehr authentisch und offen – ich fühle mich inspiriert und wenn ich dir begegne, kommt bald ein fröhliches und geistreiches Lachen aus meinem Bauch. Und das Herz, Frau Merz, macht mit, ist dabei und fühlt sich dihei.
    Fühl dich herzlich umarmt, liebe Bianca
    Christ🔴f

    • Hach lieber Christoph, deine Worte haben mich sowas von ge- und berührt! Danke vielmals für diese herzerwärmende Rückmeldung. Eine dicke Umarmung zurück! Und auf das weitere Co-Gestalten (manchmal -Wursteln ;-)) im Phönix-Kreis. Herzlichst

    • Oder vorher und nachher? Und es bestätigt sich, dass es sich lohnt und daher wird man noch mutiger? Danke für den IMMER inspirierenden Austausch – off- und online!! Du bist eine Inspiration. Grazie

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