Zwischen Landkarte und Landschaft
Der Inner Development Guide (IDG) entstand aus einer so schlichten wie schmerzhaften Beobachtung: Wir leben in einer Welt voller Wissen, endlicher Ressourcen und wachsender Ungleichgewichte und trotzdem bewegt sich oft kaum etwas. Die IDGs sollten die Lücke zwischen Wissen und wirksamem Handeln schliessen. Doch seit ihrem Bekanntwerden vor vier Jahren hat sich vieles verändert.
Als ich das erste Mal von dem Rahmen hörte – Being, Thinking, Relating, Collaborating und Acting – war ich fasziniert! Endlich wurden Themen sichtbar, die ich seit Jahren begleite: dass es nicht nur um unser Verhalten geht, sondern auch um unser „Innenleben“; unsere Konditionierungen, Überzeugungen und Prägungen. Lange als fakultative Soft Skills abgetan, bekamen sie nun einen Namen.
Wenn die Lösung zum Problem wird
Doch meine Begeisterung wurde rasch von Ernüchterung begleitet. Ich sah, wie schnell Anbieter Programme auf den Markt brachten, die nach der alten, linearen Logik funktionierten: gut verkaufbar, fokussiert auf Selbstoptimierung und Effizienz. Es fühlte sich an wie der Versuch, Menschen „fitter“ und resilienter für Systeme zu machen, die eigentlich krank sind. Ein Pflaster auf einem strukturellen Bruch.
Dieser Konflikt erinnerte mich an eine tiefe Erfahrung, die ich Jahre zuvor gemacht hatte. In meiner damaligen Arbeit als Case Managerin begleitete ich Menschen in sehr komplexen Ausgangslagen. Die systemische Anforderung war oft, diese Menschen wieder in genau jene Systeme zu re-integrieren, die sie erschöpft hatten. Teils, weil sie es selbst wollten, teils, weil die Strukturen es verlangten. Ich merkte damals: Ich kann das nicht mehr mit mir vereinbaren. Ich konnte und wollte nicht länger daran mitwirken, Menschen passend für kranke Strukturen zu machen.
Die Logik hinter der Landkarte
Dieser Bruch war der Grund, warum mich der Rahmen der IDGs trotz aller Kritik nicht losliess. Er ist für mich eine wertvolle Landkarte, um inneres Wachstum besprechbar zu machen. Aber er ist nicht die einzige. In meiner Arbeit nutze ich im Hintergrund diverse Theorien und Landkarten, um Tiefe und Struktur zu verbinden. Die IDGs dienen dabei oft als Brücke, um die Komplexität greifbar zu machen.
Gemeinsam mit Esther Kühne und weiteren Coaches habe ich erforscht (und sind wir immer wieder dran), wie diese Werkzeuge wirken und festgestellt: Das Tool ist nur so gut wie die Logik, mit der wir es anwenden.
Eine leistungsorientierte Logik nutzt sie für Kontrolle und Effizienz. Eine Harmonie-Logik nutzt sie, um Spannungen zu vermeiden; echte Veränderung bleibt aus. Eine systemische, integrale Logik hingegen verbindet innere Klarheit mit Strukturwahrnehmung und Machtreflexion. Nur so kann Beziehung wirklich transformativ werden.
Ein Nachhall aus der Geschichte: Lydia Welti-Escher
Dass diese Arbeit keine theoretische Spielerei ist, wurde mir am Freitag im Kino wieder schmerzhaft bewusst. Ich sah den Film über Lydia Welti-Escher, und er hallt noch immer tief in mir nach. Vielleicht auch, weil sie heute eine Nachbarin von mir sein könnte; ich sitze oft im Schatten des Mammutbaums in ihrem Park, und in ihrem Geburtshaus habe ich vor einigen Jahren geheiratet.
Lydia war in den 1880er-Jahren eine Frau, die sich extrem reflektiert, integer und mutig verhielt. Sie kämpfte für ihre Freiheit und Wahrheit und scheiterte dennoch tragisch an den Moralvorstellungen und patriarchalen Machtverhältnissen ihrer Zeit. Ihre Geschichte zeigt uns die harte Realität: Wir können noch so sehr an unserem Inneren arbeiten, wenn die äusseren Systeme starr bleiben, sind unsere Chancen auf Veränderung oft begrenzt.
Doch gerade diese Tragik zeigt mir: Wir dürfen die Zuversicht nicht verlieren. Unsere Handlungen, unsere Klarheit und unsere Fähigkeit, in Beziehung zu gehen, wirken. Auch in unseren kleinen Kosmen. Transformation beginnt bei uns, ohne dass wir uns dabei in der reinen Selbstoptimierung verlieren dürfen.
Wie wir zusammenarbeiten: Intentionen statt starrer Ziele
In meinen Beratungsräumen; ob im Einzelcoaching, in den Resonanz-Circles oder in Coachingausbildungen und Seminaren geht es mir nicht um Held:innen-Storys. Ich möchte Menschen begleiten, die spüren, dass die alten Rezepte nicht mehr greifen. Statt fixer Ziele setzen wir Intentionen für unsere Zusammenarbeit. Mögliche Themenfelder können sein:
- Vom Funktionieren zur Gestaltungskraft: Wie du aus der Reaktivität aussteigst und beginnst, deinen Kontext aktiv zu prägen.
- Spannungen als Kompass nutzen: Wie du lernst, innere Widersprüche nicht wegzudrücken, sondern als Energiequelle zu nutzen.
- Integrität und deine Rolle(n): Wie du deine Rolle reflektierst, um wirksam zu sein, ohne dich selbst zu verraten.
- (Selbst)-Beziehungsfähigkeit in Komplexität: Wie du Verbindungen schaffst, die auch in stürmischen Zeiten halten.
Einladung zum gemeinsamen Weg
Landkarten sind Orientierungshilfen, keine Landschaften. Wir müssen sie immer wieder neu kalibrieren und an den Kontext anpassen. Auch ich lerne hier täglich dazu, besonders bei Fragen von Macht und Systemwirkung.
Wenn du Lust hast, diesen Weg der bewussten Gestaltung mitzugehen, gibt es bald wieder Möglichkeiten: Ab April habe ich wieder einige Plätze für Einzelbegleitungen frei. Für den Resonanz-Circle ab 15. April ist voraussichtlich noch 1 Platz frei und ich öffne die Warteliste.
Ich freue mich auf Menschen, die nicht nach der nächsten Abkürzung suchen, sondern nach echter, wirksamer Tiefe. Schreib mir gerne eine Nachricht für ein unverbindliches Kennenlernen.