Überraschende Begegnung mit einem Paternoster

Ich geniesse es, alleine und ziellos durch Orte zu schlendern und mich überraschen zu lassen. Ende August bin ich bei einem Streifzug durch München das erste Mal in meinem Leben einem Paternosteraufzug begegnet. Eine Dame hielt mir einladend die Türe zum alten Hochhaus eines städtischen Amts auf. Dass dies der Hintereingang war, ist mir erst danach klar geworden, als ich das Gebäude durch den offiziellen Ausgang wieder verlassen hatte. Irgendwie schien ich wie eine zuverlässige Beamtin zu wirken – oder Kundin – egal.

Da stand ich in der Halle im Parterre und sah IHN, den Paternoster! Den ich bisher nur aus Filmen kannte. Und er war in Betrieb. Das Fahren war nur für Angestellte des Amts erlaubt. Ich war ganz froh um dieses Verbot.

Fasziniert stand ich vor dem Aufzug und sah seinen gleichmässigen Bewegungen zu. Minutenlang. Es hatte etwas Beruhigendes und Meditatives an sich. Meine Gedanken schweiften ab, brachten mich zu zwei Themen, die mich beschäftigten und weiterhin beschäftigen. Eines hat mit meinem Alter(n) und unterschiedlichen Ebenen/Stockwerken zu tun und das zweite mit meiner Auf und Ab-Einstellung zum Verkauf und Selbstmarketing. 

Alter(n) und Wachsen / Welche Ebene steht an?

Evolutionäre Entwicklung von Menschen und Organisationen ist eines meiner Kernthemen. An mir selbst entdecke, lerne und übe ich stetig. Und stehe immer wieder an. Denn selten laufen psychische, körperliche und seelische Entwicklungsschritte im gleichen Takt. Und verstehen kann ich diese jeweils zudem erst rückwirkend und im Austausch mit anderen Menschen. Aktuell bemerke ich, wie mein Körper sich einmal mehr verändert. Und ich brauche Verständnis und Geduld, um mich an die veränderten Bedürfnisse und Aussehen des physischen Körpers zu gewöhnen.
Oder wie mir der Paternoster so “zeigte”: ich weiss nie genau, welche Ebene gerade ansteht im Leben.

Verkauf ?! / meine wertende Auf und Ab-Beziehung

Es erstaunt mich immer wieder, wie verkaufstechnisch versierte Berater ihr Angebot im Bereich Beratung, Coaching, Selbstorganisation, New Work undsoweiter anpreisen. Oft nach dem Prinzip –
-Kunde steht vor einem Problem/Herausforderung
-dazu gibt es folgende 3 Punkte zu beachten und folgende 3 Schritte zu tun und dann
-tadaaa! ist die angedachte Lösung erreicht

Ich weiss, ich übertreibe sehr, denn längst nicht alle sind so unterwegs. Doch irgendwie sind mir die Extremen gerade besonders aufgefallen. Und ich gebe neidlos zu: sie verkaufen sich und ihr Angebot definitiv sehr gut und ich bewundere sie dafür. 

Gleichzeitig stelle ich mir die Frage: “Glauben die das wirklich und sehen die Welt entsprechend linear?” Ich mache viel mehr die Erfahrung und bin überzeugt, dass die meisten Herausforderungen so komplex sind, dass es keine einfachen Lösungen gibt und wir “Lösungen” noch gar nicht sehen können oder müssen. Und dass es ein interdisziplinäres und diverses Miteinander braucht und nicht nur die Expertise von EINER Person/Fachgebiet. Ich sehe es vielmehr ein sich Herantasten, Ausprobieren, Lernen, Austauschen, Zuhören, Anpassen und Weitergehen oder auch wie das Beppo Strassenkehrer aus Momo, dem einprägendensten Film aus meiner Kindheit, so schön sagt: „Man darf nie an die ganze Straße denken, verstehst du?“ fragt er die kleine Momo einmal. „Man muss nur an den nächsten Schritt denken, an den nächsten Atemzug, an den nächsten Besenstrich. (…) Dann macht es Freude; das ist wichtig, dann macht man seine Sache gut. Und so soll es sein.“
Er spricht damit auch die Einstellung zu den Herausforderungen  an: mit Freude und mit Demut sowie viel Zuversicht und im Vertrauen, dass sich der Weg im Gehen zeigt. Und der Paternoster so zu mir: es gibt Tage, da gehts eher aufwärts und andere, da gehts abwärts ..beides gehört dazu.

Was glaube ich vom Paternoster gelernt zu haben?

Was mache ich nun aber aus diesen zwei Bildern, die der Paternosteraufzug mir zeigte? Einmal mehr verstehe ich es als Erinnerung daran, mich immer wieder in Gelassenheit zu üben, indem ich darauf achte, was ich verändern kann und was nicht. Und weiter ist es eine Aufforderung, mich nicht von möglichen Ab’s aufhalten zu lassen, sondern auch etwas zu probieren beim Verkaufen, auch wenn es nicht meinen eigenen hohen Ansprüchen entspricht. Genau daran scheitere ich. Oder bringe es als Ausrede. Denn bei anderen zu bemängeln, was mich stört, ist einfach – es selber zu machen braucht Mut und Ideen. Bin also mal gespannt, was ich mich da noch so getraue ;-). So lange ich es nach (m)einem so wichtigen Credo angehe:  “Es genügt, wenn ich das, was ich jeweils tue, mit voller Präsenz, Aufmerksamkeit, ohne Wertung und mit offenem Herzen tue.”

So ein einfacher Spruch! Und doch immer wieder herausfordernd. Insbesondere das mit der Wertung. Ich kann nur erahnen, was da mein “gelassener Paternoster” dazu “sagen” würde: “Manchmal geht es aufwärts und manchmal abwärts… und bleib in steter ruhigerBewegung… ;-)”

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