Da lob ich mir das Fliegen 

War das allenfalls dein Gedanke, beim Lesen meines letzten Blogposts? Dann habe ich dir dazu eine Geschichte. Alles begann mit …

… Einem nicht sehr weisen Entscheid

Wenn der homo oeconomicus in mir mal wieder aufblitzt 😦

Weil ich für unsere Rückreise aus Schottland insbesondere Zeit, aber auch etwas Geld sparen wollte, überzeugte ich Denis zu fliegen, anstatt über Land zu reisen. Ich wollte gerne einen freien Tag zu Hause haben, bevor der Coachingalltag begann. Ich dachte, so relaxter zu sein, und nahm dafür in Kauf, meine Überzeugung, nicht mehr zu fliegen innerhalb Europas, ausnahmsweise über Bord zu werfen. 

Wir kamen zwar irgendwann in der Nacht auf Dienstag in Zürich an. Doch mein Gepäck fehlte. So dass ich den noch freien Dienstag nicht fürs Vorbereiten der kommenden Coachingtage sondern vielmehr fürs Nachbereiten der Rückreise nutzen durfte. Das Ankommen nahm viel mehr Zeit in Anspruch als gedacht. Das Gepäck ist am Freitag doch noch in Zürich gelandet und in der Nacht auf Samstag geliefert worden. Was nun noch bleibt ist meine Auseinandersetzung mit mir selbst und meinem Ego-Entscheid. Und das Beschreiben meines persönlichen Flug“Drama’s“ in zwei Akten:

Erster Akt: die Reise

Szene 1: Schottische Landschaften bis Edinburgh

Der Montag begann wunderbar in Lossiemouth wo wir noch einen Spaziergang genossen bevor es mit dem Bus nach Inverness und von da weiter mit dem Zug in 4 Stunden Fahrt durch grossartige Landschaften nach Edinburgh ging. Die noch verbleibenden Stunden bis zum Check-In verbrachten wir in den Parks der Stadt und beim Scones-Genuss.

Szene 2: Flughafen Edinburgh

Obwohl wir online bereits eingecheckt waren, waren wir doch bereits zu der Zeit am Flughafen, als das Check-In frühestens möglich war. Rasch das Gepäck abliefern, durch die Sicherheitskontrolle und dann noch einen Abschiedsapéro geniessen. So der Plan.

Die Ausführung sah dann vor, dass wir eine Stunde anstanden beim Check-In, da es keinen separaten Gepäck-Drop-off-Schalter gab. Und irgendwie ging die Warteschlange bereits zwei Minuten nach Ankündigung der Check-In-Schalter-Nr. bereits um mindestens vier Ecken. Ähnlich sah es bei der Sicherheitskontrolle aus. Auch da nochmals eine Stunde. 

Ich bereute bereits zutiefst meinen Entscheid zu fliegen. Nicht dass ich mich ab dem total unterbesetzten Personal nervte wie viele andere hinter und vor mir in den Warteschlangen – sondern ab mir. Beziehungsweise ab meinem Entscheid. Die Flughafenmitarbeitenden waren unglaublich nett und gaben sich alle Mühe – trotz der vielen motzenden Touristen – sie taten mir leid.

Szene 3: Doch noch über den Wolken

Wir gönnten uns noch einen Ferienabschlussdrink und waren pünktlich zur vorgesehenen Einstiegszeit am Gate. Und nochmals: Warten. Warten. Warten. Irgendwann spätabends sassen wir im Flieger und der Kapitän meinte, er würde es in 1.5 Std. schaffen, damit wir noch vor Mitternacht in Zürich landen könnten. Zugegeben, der Blick aus dem Fenster in den Mittsommer-Himmel und auf die unter mir verschwindend kleinen Städte, Strände, Hochseeschiffe war eindrücklich. Und wir flogen wirklich sehr schnell. Auch hier: das Personal gab sich alle erdenkliche Mühe. Mein sehr laues Gefühl blieb. 

Szene 4: Flughafen Zürich

Der Flieger dockte kurz vor Mitternacht im Gate E an. “Das gibt dem Gepäck genügend Zeit auf dem Gepäckkarussell anzukommen, wenn wir auch noch Bähnli fahren und so” – mit diesem Spruch munterte ich Denis und mich auf. Eine halbe Stunde später stand das Gepäckkarussell wieder still. Alle Mitreisenden waren weg. Wir noch da. Ich ohne Gepäck.

Rasch düste ich dann zum Gepäckverlustmeldeschalter. Davor stapelten sich Koffer und es standen bereits einige Menschen an. Mir war klar, wenn ich da anstehe, dann schaffen wir es nicht mehr mit den ÖV nach Hause. In die Stadt Zürich notabene. Ich sprach eine Mitarbeiterin an und fragte nach alternativen Gepäckverlustmeldeoptionen. Im Zug versuchte ich dann über den Link, den ich erhalten hatte (und zu dem mir versichert worden war, dass dies auch für Edelweiss klappen würde) meinen Verlust anzumelden. Es klappte nicht. Natürlich :-). Auch meine Anrufversuche auf die Hotline bis um 02.00 Uhr blieben erfolglos. 

Szene 5: Flughafen Zürich – ein paar Stunden später

Um  08.00 Uhr stand ich wieder am Flughafen und eine halbe Stunde später sass ich in der Ankunftszone bei eben jenem Schalter wo man gleich bei Ankunft den Verlust des Gepäcks melden sollte (falls du wissen möchtest wie das geht, mich fragen).

Szene 6: Endlich angekommen zu Hause?

Am späteren Vormittag wieder zu Hause fragte ich mich: “Bin ich das? Hier in Zürich in meiner Wohnung?”

Mein Körper war da. Ich sass in meinem gewohnten Lieblingssessel in unserer drückend heissen Dachwohnung und hörte die vertrauten Baustellengeräusche aus der Umgebung. Doch in Gedanken und auch vom Empfinden her war ich noch in Schottland an der kühlen Küste. Ein Teil von mir ist da hoch oben im Norden mit den kurzen Nächten stehen geblieben und beobachtet den durch den starken Wind aufgewirbelten Sand in den Dünen Lossiemouth’s und hört den kreischenden Möwen zu. 

Ein arabisches Sprichwort lautet: “Die Seele reist mit der Geschwindigkeit eines Kamels”. 

Nicht nur hatte ich statt einer etwas langsameren dafür echten Reise mit dem Zug diejenige – vermeintlich effiziente – Flugreise bestehend aus “Warten-verbunden-mit-möglichst-raschem wieder-Ankommen-in-Kauf” genommen, ich hatte meinem Geist auch nicht die Chance gegeben, all die Veränderungen, die um ihn herum geschehen, wahrzunehmen und zu verarbeiten bevor ein Weitergehen und das sich-Neuem widmen möglich wurde. Dafür brauchte ich nun mindestens diesen Tag.

Mitten in der gestrigen Nacht ist nun auch mein Rucksack an die Haustüre geliefert worden. Wiederum von einer sehr netten Person, die trotz der vielen Arbeit und der sicher nicht nur netten Begegnungen total zuvorkommend war. 

2. Akt: Die Verarbeitung

Ja und ich hadere jetzt noch beim Schreiben mit meiner Entscheidung. Und habe ein schlechtes Gewissen trotz Kompensation. Ich bin dem alten Paradigma „Zeit ist Geld mit wenig Rücksicht auf die Umwelt und mich“ sowie schneller statt langsamer, intensiver und bewusster aufgesessen. Dachte, das hätte ich hinter mir bzw. integriert. Nun denn, ist wohl menschlich – und es ist mir ein Learning.

Ich will mit diesem Text nicht sagen, dass meine Art des Reisens das Richtige sei. Das liegt mir fern. Auch kann ich nicht mit Garantie sagen, dass ich nie mehr aufs Fliegen ausweichen werde in Zukunft – hoffentlich einfach nicht aus denselben Gründen wie diese Woche und noch viel bewusster und ganzheitlicher überlegt. 

Und doch kann ich dir Zugreisen von Herzen empfehlen!! In zwei Stunden von Brüssel oder Paris nach London bspw. – ein tolles Erlebnis!

Oder auch anstatt ein Wochenende einfach so rasch den Körper in eine andere Umgebung zu fliegen, einmal mehr auf eine Reise in der Nähe gehen – verbunden mit einer Reise in dein Inneres. Dahin wo Körper, Seele und Geist mitkommen. Beispielsweise anlässlich eines begleiteten Retreats im Stelserhof im Prättigau Ende August oder September. 

Ein Kommentar zu „Da lob ich mir das Fliegen 

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s