Wenn jemand eine Reise tut, so kann er was erzählen (M. Claudius) … und

… Gelassenheit unterstützt dich dabei, mehr Überraschungen als Enttäuschungen zu erleben

Stell dir vor:

Du hattest seit längerem keine Ferien mehr und zudem den ganzen Monat Mai ohne auch nur einen freien Tag durchgearbeitet. Die Aufgaben und Retreats die du durchführen konntest haben Spass gemacht und trotzdem bist du nun sehr müde und ziemlich ausgelaugt. Vor dir liegen drei Wochen (R)Auszeit! Und weil du das Reisen an sich sehr liebst (und auch aus weiteren wichtigen Gründen) wirst du nicht einfach so rasch nach Schottland fliegen, sondern mit dem Zug reisen. Schön gemütlich und gut portioniert aufgeteilt auf drei Tage Fahrten von 4 bis 5 Stunden von Zürich bis nach Glasgow via Köln und London je mit einer Übernachtung. Da du die Tickets schon vor einigen Wochen gebucht hast, sind die Fahrten zudem dank Spartickets preiswert.

Es ist Montag 30. Mai 2002, 06.00 Uhr und der Zug Richtung Basel und Köln fährt pünktlich aus dem Zürcher Hauptbahnhof. Die Sonne zeigt sich zu dieser Jahreszeit bereits zu dieser frühen Zeit am Horizont. Und dieselbe Sonne strahlt dir am Mittwochnachmittag ins Gesicht während du die Einfahrt der Scots-Rail in die Queenstation in Glasgow geniesst. Glücklich und gesund, ein paar hundert Euro leichter als geplant und noch viel erschöpfter als zwei Tage zuvor. Das war tatsächlich möglich, Denn zwischen Montag und Mittwoch hast du dich mehr als einmal gefragt, ob du dich in einem 48-stündigen Escaperoom-Spiel befindest oder in der Geschichte “In 80 Tagen um die Welt” mit immer wieder neuen Herausforderungen.

Egal, nun bist du in Glasgow – geniesst einen Apéro mit deinem Lieblingsmenschen und staunst selber, wie gelassen du doch die ganze Zeit geblieben bist und (fast) nie den Humor verloren hast. Wie das oder wie würde es dir dabei wohl gehen?

Wie ich trotz all der Überraschungen (die Details zu den 48 Stunden findest du gleich anschliessend, falls du noch lesen magst) noch positiv gestimmt war, ist ein Teil Typ-gegeben. Ich bin zudem überzeugt, dass meine jahrelange theoretische und praktische Beschäftigung mit Persönlichkeitsentfaltungs- und -gestaltungsthemen einen weiteren, wichtigen Teil dazu beigetragen haben. Und darum freue ich mich sehr, dass ich im August und September zusammen mit Andrea und Fränzi wiederum ein paar Menschen auf ihrem Weg zu mehr Gelassenheit, Gesundheit und Glück – gerade in Zeiten von Unsicherheiten und Wandel – begleiten darf. Falls du auch Lust hast, mitzukommen: Wir haben noch ein paar freie Plätze!
Du findest alle Infos dazu hier.

Was war denn nun alles so Überraschendes zwischen Zürich und Glasgow geschehen?

Die ersten 24 Stunden – Zürich-Köln

Nach rund 4.5 Stunden Zugfahrt und einem kurzen Spaziergang durch die Kölner Innenstadt checken wir bereits kurz nach Mittag in unser tolles, kleines Boutique-Hotel ein. Alle wichtigen Infos zum Aufenthalt erhalten wir per E-Mail. Aus diesem Grund checke ich meine Inbox und sehe, dass ich eine Nachricht von Eurostar erhalten habe. Seitdem wir vor ein paar Wochen die Tickets Brüssel-London gebucht hatten, erhalte ich regelmässige Updates dazu – insbesondere zu den C-Regelungen. Heute jedoch sticht mir eine andere Info ins Auge: Wegen Brexit ist die Einreise nach England nur mit einem gültigen Reisepass möglich! Mir wird gleichzeitig heiss und kalt, denn mein Reisebegleiter Denis hat nur seine ID dabei. Diese wird jedoch nicht mehr akzeptiert zur Einreise – das liest sich da ausdrücklich. Ich gehe bereits in Gedanken die Optionen durch, wo wir einen Not-Pass herbekommen. Doch es kommt anders, denn mein Begleiter besitzt tatsächlich einen gültigen Reisepass wie er mir erstaunt erklärt. Nur, dieser Pass liegt aus Reisgepäckplatzspargründen zu Hause … Kurz die Züge nach Zürich gecheckt und bereits 23 Minuten später sind wir wieder am Bahnhof Köln und Denis sitzt im Zug wieder zurück nach Zürich. Was dann beginnt ist eine 12-stündige Krimireise. Wenn alles klappt mit den Verbindungen, hat Denis in Zürich genau 50 Min. Zeit vom HB nach Zürich-Enge und zurück. Ich versuche derweil Köln etwas zu geniessen und schlendere durch die Gassen – und verfolge bei jedem Hotspot via SBB-App die Zugfahrt. Trotz einiger Verspätung – und dank Ersatzzug der SBB ab Basel bis Zürich – schafft es Denis in die Wohnung und zum Pass und rechtzeitig um 19.00 Uhr wieder auf den Zug Richtung Basel – Mannheim – Köln. Bis um 22.30 Uhr sieht es so aus, dass er die Nacht in Mannheim verbringen wird und wir uns dann hoffentlich am folgenden Morgen wieder in Köln am Bahnhof treffen würden. Wohin ich es mit zwei Rucksäcken dann irgendwie geschafft haben würde. Ich gönne mir zur Entspannung eine Heilerde-Relax-Maske derweil und posiere mit der Dame im Hotelzimmerbild um die Wette. Doch oh Wunder, der letzte Zug der DB wartet tatsächlich den einen verspäteten Zug ab und um 01.00 Uhr ist Denis zurück im Hotel. Wir beide sind – naja sagen wir mal ein bisschen – gerädert von der Anspannung. Und Denis um die Kosten von zwei normalen Fahrtickets zusätzlich “leichter”.

Teil 2 von Köln – Brüssel – London, die zweiten 24 Stunden

Frühstück auf der Terrasse des Funkhaus-Café mit Blick auf den Dom. So geniessen wir den Tagesstart trotz Regen unter dem schützenden Vordach und versuchen nach einer kurzen Nacht noch ganz wach zu werden. Um 11.00 Uhr sitzen wir im Zug nach Brüssel. Alles klappt wie am Schnürchen. Zumindest die 45 Minuten Fahrt bis nach Aachen an der Grenze zu Belgien. Der Zug stoppt und es heisst, dass wir alle aussteigen müssen, da wegen eines Streiks in Belgien momentan gerade gar nichts mehr gehe. Oke?! Dann folgt kurz bevor wir aussteigen noch die Info, dass ein Ersatzbus bis nach Leuven (einige Km vor Brüssel) bald zur Verfügung stehe. So stehen wir mit etlichen anderen Reisenden vor dem Aachener Bahnhof und warten. In meinem Kopf so: was will uns das Universum eigentlich sagen und werden wir den Abendzug nach London noch erreichen? Wie kommen wir von Leuven nach Brüssel? Und fährt dann der Eurostar überhaupt? Doch was sehe ich da? Es stehen noch einige Taxis am Bahnhof. Keine 10 Minuten später sitzen wir zusammen mit einem deutschen Audi-Manager in einem Taxi nach Brüssel. Es wird eine kurzweilige (wenn auch mit 100 Euro p.P. keine Schäppchen-) Fahrt und wir unterhalten uns über die Vorfahren des Managers in der Ostschweiz – er heisst mit Nachnamen Hasler 🙂 – und über Elektromobilität und vieles mehr.

Am Gare du Midi in Brüssel angekommen, verstauen wir unsere Rucksäcke in Schliessfächern (und bemerken dabei, dass mein Reisepartner den Code seiner Mastercard nicht mehr weiss, was dann später zu weiteren Herausforderungen führen wird) und nutzen die verbleibenden Stunden bis zur Abfahrt des Eurostars mit einem langen Spaziergang zum Manneken Pis. Ich schaffe es sogar(vielleicht auch dank der süssen belgischen Waffel?), die kurzweilige, 2-stündige Fahrt von Brüssel nach London via den Eurotunnel so richtig zu geniessen und so liegen wir kurz vor Mitternacht in einem sehr bequemen Bett Nähe St. Pancras-Bahnhof und geniessen nochmals eine etwas kurze, aber erholsame Nacht vor der Weiterreise nach Edinburgh und Glasgow. Welche dann übrigens am Folgetag pünktlich, ohne Unterbrechungen und mit wunderbaren Aussichten erfolgte.

Zugegeben: Wir waren unendlich müde zu diesem Zeitpunkt! Und doch noch immer ganz zufrieden, frohgestimmt und dankbar, dass wir gesund in Schottland angekommen waren. Und wir freuten uns auf die weiteren Erfahrungen und Erlebnisse und Begegnungen. Und einmal mehr hat sich gezeigt. Wer offen ist und bleibt, wird eher überrascht als enttäuscht.

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