Wünschst du noch oder dankst du schon?

Wie „Motzen“ zu mehr Fülle führen kann

Als im Frühjahr 2020 die Wirtschaftswelt stillstand, tat dies auch meine Auftragslage. Dies zwang mich, neue Formate auszuprobieren und ich erinnere mich gut und gerne an einem ersten 100%-Online Coachee. Ein junger Schweizer, der seit Jahren in Sydney lebte und arbeitete. Und den ich während des ganzen Coaching-Prozesses nur in Bildschirmformat erlebt hatte.

Ein Treffen in echt und eine Beobachtung

Vergangene Woche traf ich nun eben diesen jungen Herrn in Zürich zu einem Kaffee. In 3-5 D notabene. Er besucht gerade nach beinahe drei Jahren das erste Mal wieder seine Heimat. Mich interessierte, wie er die Menschen hier so wahrnimmt. Er überlegte kurz und meinte: “ist schon erstaunlich wie viele unzufrieden sind und nur am Motzen … dabei gibt es hier ja alles …”.

Überrascht hat mich seine Aussage nicht. Wir haben hier so viele Möglichkeiten und und viele haben auch alles in materieller Hinsicht. Und doch wird viel gemotzt und das Glas als halbvoll gesehen. Wir alle wünschen uns Fülle. Doch statt sich an dem zu erfreuen, dass da ist, beklagen wir das, was fehlt oder nicht funktioniert.

Woran mag das liegen und ist das nur als negativ zu sehen?

Ursachen gibt es unzählige. Was ich oft beobachte und auch von mir kenne ist, dass eine innere Leere durch materielle Wünsche im Aussen entweder betäubt oder er-füllt werden möchte. Wünsche werden zudem angetrieben durch die Werbeindustrie. Und sie hören nie auf. Es gibt immer von allem noch mehr – mehr Kleider, Reisen, Häuser, Geld, Bequemlichkeit… usw…. Dazu Wilhelm Busch: ”Ein jeder Wunsch, wenn er erfüllt, kriegt augenblicklich Junge.”

Dieses stete Wachstum, das immer-mehr-Wollen und Haben im Aussen macht nicht uns nicht nur unglücklich, noch schlimmer, sie zerstört unsere Natur und damit Lebensgrundlage.

Doch, wenn der Mangel im Innen herrscht und wir nicht ein Bewusstsein darüber und über all die Fülle in unserem Leben haben, lässt sich dieser nicht mit äusseren Dingen beheben.

JEDOCH …

Ein Gefühl für Mangel oder auch Unzufriedenheit mit dem Leben und den Umständen ist nicht nur negativ. Denn ohne dies gäbe es keine Veränderung, keine Innovation und auch keine Revolution. Ohne Menschen, die unzufrieden mit sich und der heutigen Welt sind und eine nachhaltigere und lebens-bejahendere für möglich halten, und sich dafür engagieren im Grossen oder im Kleinen, gäbe es keinen Fortschritt. Wir benötigen die Unzufriedenheit um innerlich zu wachsen und um die Regeln unseres Lebens und unseres Miteinanders zu verändern. Für ein zukunftsfähiges Mit-Sich und Mit-Einander.

Was tun?

Die Kunst besteht also darin, nicht in der Kritik des Mangelhaften zu verbleiben, sondern ihm eine Alternative entgegenzuhalten (A. von Schirach 2021). Doch oft wissen wir nicht, was wir wollen. Vielleicht hilft es daher, erst einmal bewusst und klar sein, was uns stört.

Wie wärs, wenn du das schriftlich in Form einer Liste festhältst? Alles was dich stört und nervt und aufregt! Egal ob es dabei um dich selber, deine Umgebung oder die Welt an sich geht. Es könnte sich lohnen. Und es kann unter Umständen eine lange Liste werden. Und es kann sogar Spass machen!

Als nächsten Schritt teilst du die Liste einerseits in Dinge ein, die du ändern könntest (alles was mit dir, deiner Einstellung und deinem Verhalten zu tun hat) und andererseits in solche, in die du keine Energie investieren musst, da sie nicht in deinem Einflussbereich liegen. Du kannst dich zum Beispiel für ein Leben entscheiden, welches bewusster mit Ressourcen umgeht, nicht aber dafür, dass dein Umfeld sein Verhalten ändert.

Hör zudem gut in dich hinein, denn ganz tief in uns spüren wir, was uns gut tut und was wir uns aus unserem Bauch und Herzen wünschen.

Eine weitere Übung ist die der Dankbarkeit. Den Blick auf das Wesentliche richten, das was uns nährt. David Steindl-Rast empfiehlt folgende Medizin: Jeden Tag dafür danken, was das Leben schenkt.

Fülle wahrnehmen und Mangel loslassen bedeutet …

… die Aufmerksamkeit auf die Geschenke des Lebens zu richten. Mehr Sein statt nur zu Haben. Und dies bedeutet wie B. von Meibom das so wunderbar sagt, ganz einfach: “Reich zu sein, weil wir die Geissel der Wünsche gesprengt haben.”

Ein Kommentar zu „Wünschst du noch oder dankst du schon?

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s