„Du bist falsch.“ Das Projektions-Phänomen.

Warum dieses Blog-Thema

Wer sich von mir durch einen Standortbestimmungsprozess begleiten lässt wird die Übung “Fremdfeedback” erleben. Es geht dabei darum, die eigenen Kompetenzen bestätigen und ergänzen zu lassen. Das ist das sichtbare Ziel. Das nachhaltigere ist ein Unsichtbares: die Wirkung auf deine Wahrnehmung. Denn du lernst ein Bewusstsein zu entwickeln, was wirklich “deins” ist und was wenig bis nichts mit dir zu tun hat und du deshalb getrost in deinem Umfeld belassen kannst.

Vor zwei Tagen hatte ich ein Gespräch mit einer Person, die ich vor Jahren bei einer beruflichen Neuorientierung begleiten durfte. Sie meinte: “Weisst du was sehr viel ausgelöst hatte? Deine Aussage zu Projektionen. Diese hat bewirkt, dass ich sehr darauf achte, ob jemand seine Ängste in mir sieht oder ob es tatsächlich mit mir zu tun hat. Das ist nicht immer so einfach. Umgekehrt achte ich darauf, dass ich den jüngeren Managern die mich um Rat fragen bezüglich Karriereplanung nicht meine Meinung einfach so zur Verfügung stelle sondern es rahme, dass dies meine Idee und Erfahrung sei und sie dies für sich prüfen sollten.”

Mir ist erst durch dieses Feedback – das mich sehr! berührt hat – so richtig bewusst geworden, warum mir diese Übung so wichtig erscheint.

Eine Erfahrung mit negativer Projektion

Ich mag mich erinnern, als ich mich von meinem Mann trennte. Was mich damals alles für gut gemeinte Rat-Schläge erreichten. Und verletzten, da ich sehr unter der Situation und mir selber litt. Es dauerte eine Weile bis ich erkannte, dass einige dieser Aussagen mehr mit den anderen Personen als mit mir zu tun hatten. Ein Beispiel: Eine Person wollte mich während eines Gesprächs – schlussendlich eines Monologs indem sie mir alle Theorien zu Kommunikation in der Ehe und durchhalten müssen da ja schliesslich versprochen – zum Bleiben überreden wollte. Und nun? Diese Person war drei Jahre später geschieden. Den Mut zum Trennungsschritt hatte aber nicht diese Person, sondern ihr Ehepartner.

Wieviel da an Projektion drin war, kann ich nur erahnen. Doch dieses Erlebnis hat meine Wahrnehmung geschärft und den Weg geebnet zu versuchen, meine Projektionen zu erkennen und ein Stück mehr Gelassenheit und Selbst-Sicherheit in meinem Leben zu finden.

Was ist Projektion?

Projektion ist ein tiefenpsychologisches Konzept. Wenn wir projizieren, übertragen wir unsere Themen, Sorgen und Ängste aber allenfalls auch übersteigerten Wünsche und Vorstellungen auf andere Menschen. Und merken es meistens nicht. Man nennt das übrigens auch: von sich auf andere schliessen.

Also wenn ich beispielsweise jemandem vorwerfe, dass er egoistisch ist, obwohl ich eigentlich selbst egoistisch bin. Oder nehmen wir an, ich habe Probleme mit meinem Selbstvertrauen. Und dann treffe ich auf einen Menschen, der sehr von sich und seinen Fähigkeiten überzeugt ist und dies laut in die Social-Media-Welt hinaus posaunt. Dann kann es passieren, dass ich diesen Menschen überheblich, doof und unsympathisch finde. Weil ich es als unangenehm empfinde, wenn jemand sich selbst öffentlich lobt – ich erlaube es mir ja auch nicht.

Oder kennst das wenn Menschen in deinem Umfeld eine Diät anfangen und alle im Umfeld auffordern, dass sie doch jetzt auch mal auf ihre Gesundheit achten sollten. Hach, auch dazu könnte ich einige Beispiele auflisten, die teilweise sehr absurd sind.

Noch ein wichtiges Beispiel mit einer negativen Projekten falls du dich mit dem Gedanken der Selbständigkeit oder einem radikalen Jobwechsel trägst. Sich Tipps und Meinungen aus dem Umfeld einzuholen ist wichtig und kann gute Erkenntnisse bringen. Doch setze diese immer in deinen Kontext. Sei achtsam, wenn sehr sicherheitsorientierte Menschen dir davon abraten. Es kann sein, dass ihre Befürchtungen nur ihre generelle Unfähigkeit widerspiegeln, Gewohntes in Frage zu stellen, vollkommen neu zu denken und mutig Neues zu wagen und erfahren. Ausserdem projizieren sie meist ihre Ängste von Mangel über Krankheit bis dem “auf-der-Strasse-landen” auf dich.

Wie erkenne ich Projektionen?

Projektionen zu erkennen ist nicht so einfach. Und die eigenen Projektionen zu erkennen und akzeptieren braucht einen gewissen Mut, denn das Leben wird dadurch etwas komplizierter und erhält mehr Grautöne darüber habe ich auch schon gebloggt. Doch es kann blutdrucksenkend und Freude-steigernd wirken. Was es braucht, ist Neugier und Achtsamkeit. Wenn du dich mal wieder aufregst erforsche, was es mit dir, deinen Eigenschaften, Zielen, Werten und Glaubenssätzen zu tun hat.

Und wenn ich das nicht erkenne?

Wer sich den Projektionsmechanismus nicht klarmacht, kann sich hemmungslos über andere aufregen. Über die ganzen Idioten da draussen, die Menschen, die immer egoistischer und unzuverlässiger werden, Man kann lästern und so herrlich über andere herziehen. Und sieht sich selbst dabei entweder immer als Opfer oder auch als “besser” an als alle anderen.

Nicht, dass ich nie lästern würde. Hmm, das kann ich auch! Aber ich lästere nicht nur (oder versuche es), ich frage auch” was hat das nun mit mir zu tun?” und so gewinne ich an Selbstkenntnis, Stärke und Flexibilität und kann meine Handlungsfähigkeit erweitern. Denn was direkt etwas mit mir und meiner Gedanken- und Gefühlswelt zu tun hat, kann ich einfacher beeinflussen als das Verhalten anderer Menschen.

Du willst es selber überprüfen? Versuche es mal mit diesen Fragen:

  • Was genau ist der Vorwurf, den ich dem andern mache?
  • Was hat dieses Thema, dass ich der anderen Person vorwerfe, mit mir zu tun? Ist es etwas, das ich selbst in mir trage oder sogar lebe? – was ich mir selbst nicht erlaube? – oder dass sie etwas hat oder kann, was ich nicht habe oder kann?

Und falls du dich aktuell gerade aufgrund einer negativen Projektion unsicher und klein fühlst eine ermunternde Aussage von Stefan Hiene: “Egal wer dir sagt, dass du falsch bist. Er lügt.”

Ein Kommentar zu „„Du bist falsch.“ Das Projektions-Phänomen.

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