Leichter entscheiden; 3 plus 2 Tipps, 2 Geschichten aus meiner Coachingpraxis und 1 Entscheidungstool

Wenn Nicht-Entscheiden krank macht

Bereits zum zweiten Mal innert kurzer Zeit fällt er längere Zeit am Arbeitsplatz aus. Und das, nachdem er zuvor über die Dauer von mehr als 20 Dienstjahren sehr selten krank gewesen war. Bei der ersten Absenz war die Ursache eine körperliche gewesen. Nun ist die Belastung im psychischen Bereich zu hoch. Auslöser waren belastende Vorfälle am Arbeitsplatz. Im Coachinggespräch zeigte sich, dass das Vertrauensverhältnis bei der Arbeit schon länger nicht mehr zum Besten stand und daher der erste Ausfall wohl nicht nur somatisch bedingt war. Der Zustand des Coachees verbesserte sich dank ärztlicher Begleitung und Therapien rasch. So stand nach ein paar Wochen die Rückkehr in das alte System an. Dasjenige, das ihn krank werden liess. Es gab drei Optionen für ihn:

Love it – Lerne, die Situation wie sie ist zu lieben

Change it – Ändere etwas an der Situation

Leave it – Gehe raus aus der Situation

Ob es ein sich-nicht-entscheiden-Wollen war oder ein Festhalten an vermeintlichen – insbesondere finanziellen – Sicherheiten kann ich nicht beurteilen. Tatsache ist, der Mann hat sich nicht entscheiden wollen. Er sah einzig die Rückkehr in eine viel frühere, vertrauensvolle Situation als Option. Eine, die nicht mehr existierte. Darauf beharrte er. Und dafür ist ihm inzwischen die Entscheidung abgenommen worden durch die Kündigung des Arbeitgebers.

Die Herausforderung und ein Tool

Warum tun wir uns oft so schwer mit Ent-scheiden? Ist ja nicht so, dass auch ich das nur einfach finde … Und warum tat er sich so schwer?

Da gab es in diesem Fall diverse Faktoren, doch der entscheidende war, dass er sich 100% sicher sein wollte. Dass das Ergebnis seiner Entscheidung im Voraus vollständig bekannt ist. Doppelt und dreifach abgesichtert und zugesichert. Doch Entscheide mit vollkommener Information gibt es selten und ich behaupte, wenn es um unseren Lebensweg geht, nie. Vielmehr sind wir doch gezwungen, Entscheidungen zu treffen, ohne sicher zu sein, wie es dann tatsächlich sein wird. Wir müssen in die ungewisse Zukunft hinaus entscheiden. Sowohl im Beruf als auch wenn es um unseren Lebensweg geht. Angeblich nehmen wir uns im Schnitt 9 Minuten Zeit für eine Entscheidung im Gechäftsleben. Je nach Entscheidungs-Typ werden dann Fakten gesucht, gegeneinander abgewogen, Killerkriterienlisten erstellt, Bauch und Kopf verbunden, oder wird entschieden, welcher Quelle oder welchem Entscheidungstool man Vertrauen will. In Coachings nutze ich für Entscheidungen oft das Tool Tetralemma

Selbstkenntnis als Entscheidungsgrundlage

Grundsätzlich gilt: Je mehr Klarheit ich darüber habe, was mir wichtig ist, was zu mir und meinen Wertvorstellungen passt, desto einfacher fällt mir die Entscheidung. Klarheit erlangen wir, indem wir uns mit unseren Wünschen, Sehnsüchten und Werten auseinander setzen.

Dazu die Rückmeldung einer Standortbestimmungskundin, welche sich für ein Jobangebot entscheiden musste:

“Danke, dass du dich mit mir nochmals so kurzfristig ausgetauscht hast. Meine Gedanken hat es aufgewirbelt, das war gut, das hat es gebraucht! Habe mich dann nochmals intensiv mit den Werten die wir erarbeitet haben auseinandergesetzt und du hast wirklich die richtigen Fragen gestellt…”

Was Hilft?

Tipp 1: Klarheit haben über Werte und Ziele

Gerade wenn du auf Stellensuche bist, hilft es sehr, wenn du dir nicht nur über deine Kompetenzen im Klaren bist, sondern insbesondere auch über deine Werte und Ziele.

Tipp 2: Sich austauschen

Es kann helfen, wenn du deine Gedanken mit einer Person teilst. Nicht mit der Erwartung, dass jemand anders die Entscheidung fällt (damit man auf die Person dann die Verantwortung delegieren kann), sondern quasi als Soundingboard oder Spiegel. Mir beispielsweise hilft es sehr, wenn ich es jemandem erzählen kann und durch das mir-selber-zuhören wird vieles klar – oder aber auch, es fallen der Zuhörerin Dinge auf, die mir entgehen. Es empfiehlt sich, jemanden zu nehmen, der weder direkt noch indirekt sondern allerhöchstens weit weg am Rande – wenn überhaupt – von deiner Entscheidung betroffen ist.

Tipp 3: Intuition

Wie oft habe ich gehört: “ich habs eigentlich von Anfang an gewusst oder gespürt, aber mein Verstand hat doch einen Vernunftsentscheid gefällt”. Ja, oft lenkt uns das Bauchgefühl. Und zwar sehr sicher. Und das ist auch gut so! Das meine nicht nur ich, sondern auch renommierte Psychologen. Denn die Intuition ist dem Verstand häufig überlegen. 

Mit diesen drei Tipps können Entscheide schon sehr viel leichter gefällt werden. Lust auf zwei weitere Ideen beziehungsweise eine Idee und ein Zitat eines spirituellen Lehrers?

Zusatztipp Gelassenheit
Gelassenheit darf ja nicht fehlen in meinen Blogs ;-). Wenn sich nun der neue Job doch nicht gut anfühlt? Was dann?? Dann kann und darf doch ein Job auch wieder gekündigt werden. Ein Studiengang oder ein Projekt abgebrochen. So viel Spielraum solltest du dir zugestehen. Fast keine Entscheidung ist unumkehrbar. Dieses Bewusstsein entspannt.

Persönlicher Zusatztipp 

Erst vor wenigen Jahren habe ich in einem Podcast Ram Dass sagen hören, dass es schliesslich völlig egal sei, wie und was wir entscheiden. Wir würden so oder so die Erfahrungen machen, die für unsere Entwicklung und Menschsein nötig und vorgesehen sind.

Hätte ich doch diese Aussage früher gekannt. Damals, als es um einen sehr schmerzhaften Trennungsentscheid ging. Oder damals, als ich die Komfortzone in Form von Job, Wohnung und sicherem Einkommen verliess. Einmal für eine Weltreise und einmal für die Selbständigkeit. Nicht dass ich anders entschieden hätte, aber es wäre wohl gesünder gewesen für mich und mein Umfeld. Ich hätte mich weniger gegeisselt mit dem Anspruch, die einzig richtige Entscheidung getroffen zu haben. Es hätte die Motivation für den anstehenden Weg zusätzlich gesichert und mir sehr geholfen, Ängste zu eliminieren und dafür mehr dringend nötigen Schlaf und Essen geniessen und entsprechend eben gesund bleiben zu können. Denn nicht-Entscheiden kann krank machen.

2 Kommentare zu „Leichter entscheiden; 3 plus 2 Tipps, 2 Geschichten aus meiner Coachingpraxis und 1 Entscheidungstool

  1. Ebenfalls hilfreich bei schwierigen Entscheidungen: Der Gedanke, dass auch das Nicht-Entscheiden eine Entscheidung ist. Ich entscheide mich damit für den Status quo – mit allen Vorteilen, aber eben auch allen Nachteilen.

    Während ich in der alten Situation bleibe, gehen Türen zu, die sich vielleicht nie mehr öffnen. Am klarsten vielleicht erkennbar bei der Entscheidung „Kinder ja oder nein“. Irgendwann ist es zu spät, und das Verschieben auf später war eine Entscheidung zum „Nein“.

    Aber auch bei beruflichen Fragen oder Beziehungen oder der Entscheidung für z.B. eine Auszeit: Es kommt der Moment, da ist die Gelegenheit vorbei – und die vermeintliche Sicherheit war eine Entscheidung, sich nicht weiter zu entwickeln.

    Gefällt 1 Person

    1. … vielen Dank für diesen wertvollen Beitrag, liebe Claudine! Ja, bin total einverstanden. Wir können nicht nicht entscheiden. Und schlussendlich bereuen wir doch oft meist eher das Nicht-Versuchte als dass es mal nicht wie gewünscht geklappt hätte. Lernen tun wir immer … ;-):

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