Leichtes Gepäck – (m)eine Geschichte vom Loslassen

«Wir lebten mit dem Wenigen, was in einem Rucksack Platz hat. Es war ein grossartiges Gefühl, von all dem Ballast befreit zu sein, mit dem wir uns so gerne umgeben und glauben, dass wir ihn unbedingt brauchen».

Diesen Satz hatte ich im Mai 2004 in einem Blogpost erwähnt. Ich war nach einer einjährigen Weltreise soeben in die Schweiz zurückgekehrt. Das Leben nahm seinen Lauf, ich machte klassisch „Karriere“ und war rasch wieder von mehr Dingen umgeben, als ich wirklich brauchte. 

Zehn Jahre später. 

Das Jahr, in welchem sich in meinem Leben alles veränderte. Ich erinnere mich gut an diesen Dezembertag im 2014. Ich sass in meinem neubezogenen WG-Zimmer in Zürich auf einer Matratze am Boden, besass an Dingen noch meine Bücher, Kleider, Velo und meinen Bürotisch. Ich weinte bittere Tränen. «Echt jetzt? Ist das alles, was ich habe – und das als 40jährige Frau?!»

Die Tränen liessen irgendwann nach bzw. wurden Tränen der Erleichterung. An sichtbaren Dingen war da nicht mehr viel. Damit auch nicht viel, was mich belasten konnte. Mein Fokus richtete sich rasch wieder darauf, was ich dennoch hatte, wie beispielsweise meine Fähigkeiten, Erfahrungen, Zuversicht, Träume, Mut, mein Geniessenkönnen der Natur … sowie wunderbare Menschen. Was mir und auch im Leben wichtig ist, war da! Ein weiteres Mal hatte ich einiges losgelassen – nicht ganz so bewusst geplant und vieles in einem schmerzvollen Prozess.

Und heute?

Nun, es hat sich wieder etwas mehr an Dingen angehäuft. Aber im Vergleich denke ich, dass ich eher «leichtgepäckig» unterwegs bin. Benötige weniger Raum und weniger Kraft und bin flexibler. Und ich weiss inzwischen, dass ich sehr gut mit wenig kann. Und geniesse dies! Beispielsweise in den Ferien. Wie schön, wenn man mit nur einem Rucksack bepackt den Zug besteigen kann und einfach mal schaut, wohin einen die Reise führt. Ich habe gelernt ( oder wieder lernen müssen) im Aussen loszulassen. 

Doch gibt es weiterhin viel zu lernen und loszulassen

Wo ich insbesondere noch sehr am Lernen und auf der Reise bin, ist das Loslassen im Innen. Loslassen von alten Glaubenssätzen und Paradigmen. Dinge, die ich glaube, weil die mir so beigebracht worden sind von Menschen, die es auch nicht besser wissen oder spüren konnten. Loslassen von nicht mehr nötigem und lebensförderndem Verhalten, von Schuldgefühlen. Loslassen von Überzeugungen …. Die Reise zur inneren Freiheit ist spannend, bereichernd, oft mühsam und anstrengend zugleich und ich vermute mal wahrscheinlich eine, die noch lange dauern wird … 😉

Abschliessend zurück zum leichten Gepäck

Mit einer Geschichte, die ich irgendwo mal gelesen hatte und daher die Quelle nicht weiss:

Ein Tourist darf in einem Kloster bei Mönchen übernachten. Er ist sehr erstaunt über die einfache und karge Einrichtung ihrer Zellen und fragt einen Bruder: «Wo habt ihr denn eure Möbel?» Schlagfertig fragt der Mönch zurück: «Ja, wo haben Sie denn Ihre?» «Meine?», erwidert darauf der Tourist verblüfft. «Ich bin ja nur auf der Durchreise hier!» «Eben», antwortet der Mönch, «das sind wir auch.»


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