Schreibpraxis als Achtsamkeitsübung und die „Beziehung“ zu meinem Haartrockner

«…jaja Bianca, ich weiss, aber ich bin einfach nicht der Yoga- und noch weniger der Meditationstyp». Dies höre ich immer wieder, wenn ich auf das Thema Achtsamkeit zu sprechen komme, da viele meiner KundenInnen unter irgend einer Form von Stress leiden und dies mir kundtun (also nicht dass ihr vermutet, ich würde das jemandem einreden ;-). 

Was ich jeweils antworte darauf: es muss auch nicht Yoga oder stundenlanges Meditieren sein. Es gibt unzählige, einfache Übungen – das Netz ist voll von Ideen und Tipps. Es geht einzig darum, 

  • das für sich Passende zu finden und 
  • das Ziel zu haben, die Selbstwahrnehmung schulen und den Stress auch tatsächlich abbauen zu wollen (das wollen nämlich gar nicht alle … ). 

Achtsamkeitsübungen helfen das «Hier und Jetzt» bewusster zu erleben, dadurch eine offenere Einstellung zu entwickeln und schlussendlich das was ist, anzunehmen ohne zu werten oder vermeiden versuchen. Nicht umsonst sagt man, wer achtsam lebt, ist glücklicher und nur wenn du innerlich entspannt bist, bist du äusserlich zufrieden.

Was ebenfalls entspannen kann, ist das Lesen von Geschichten – oder noch besser das Schreiben in irgend einer Form! Ich mache beides gerne und ersteres auch gut, aber gerade Schreiben ist eine wunderbare Achtsamkeitsübung denn:

… «indem wir Details aus unserem Leben dokumentieren, setzen wir ein Zeichen gegen zu hohe Geschwindigkeit und zu hohe Effizienz»

meint die Beststeller-Autorin Natalie Goldberg und ergänzt,

wir sollen JA zu Sagen zur Wahrheit des Lebens wie sie existiert (oder wie wir sie wahrnehmen würde ich jetzt sagen) und dass daher nichts zu trivial oder zu dumm ist, was man dokumentieren könnte.

Falls du mir noch folgst und Lust auf eine kurze – naja zugegeben etwas triviale – Geschichte hast, hier mein Mittagspausen-Schreibergebnis vom Mittwoch 10. März 2021:

Die Geschichte vom Reiseföhn oder wie adaptiv wir Menschen sind
(gerade auch wenn der passende Adapter fehlt …).

Ich sitze gerade auf meinem Balkönli und geniesse die letzten Sonnenstrahlen in dieser Woche; sofern wenn man dem Wetterbericht glauben will. Es ist laut um mich herum, die Bauarbeiten am Mythenquai gleich um die Ecke wurden um 12 Uhr kurz unterbrochen für eine Mittagspause. Ich vermute, maximal eine Sandwichpause, denn um 12.34 Uhr war der erste Bagger bereits wieder lautstark am Baggern – begleitet durch einen Presslufthammer. Trotz dieser Lärmkulisse, die leider die fröhlich zwitschernden Vögel im Quartier übertönt, gelingt es mir, kurz in meine tägliche Schreibpraxis abzutauchen und mit Kritzeln zu beginnen und ganz spontan etwas über die Beziehung zu meinem Föhn aka Haartrockner zu schreiben bzw. wie sich diese in den letzten Wochen verändert hat:

Mein Föhn. Seit 15 Jahren mein treuer Badzimmerbewohner. Klein, handlich und 1600 Watt stark. Dieser kleine, zuverlässige Reiseföhn hat vor rund zwei Monaten zu stottern begonnen. Mein Mann – ein begnadeter Handwerker – hat das Gerät kurzerhand auseinandergenommen, fachmännisch repariert und schlussendlich noch ein bisschen getuned. Tja, letzteres war wohl zu viel für das ältere Modell. Mit einer Rauchwolke und ziemlichem Gestank verabschiedete er sich definitiv aus seinem Arbeitsleben (also der Föhn … ;-). Nun denn, nach Wochen Föhneinkaufaufschiebens und Haarufttrocknung-Frierens in der nicht so gut isolierten Dachwohnung wage ich einen kurzen Blick ins Internet. Das Nachfolgemodell meines treuen Dienstleisters, 15 Jahre jünger, gleiche Grösse und Stärke ist rasch gefunden und bestellt und wird nach wenigen Tagen prompt geliefert. Doch … Überraschung, denn es ist ein Expat mit einem ausländischen Steckkabel … also nochmals warten, nochmals eine Woche lang Haare lufttrocknen lassen, bis ein passender Adapter geliefert wird. Tja, inzwischen wäre alles vorhanden – Föhn, Adapter … aber in Gebrauch ist er noch immer nicht. Warum eigentlich? Ich muss gerade etwas schmunzeln und spüre dabei wie meine unfrisierte Mähne (ja, ich bin mit sehr dickem Haarwuchs gesegnet) mich an den Wangen kitzelt und da ist die Antwort: Wir beide – die etwas wilde Lufttrock»frisur» und ich haben uns an die Situation adaptiert und aneinander gewöhnt. Ende der Geschichte.

Peäss: während ich mein Gekritzel in den PC abtippe erhalte ich unerwarteten schwarzgefiederten Besuch … und der blieb auch eine ganze Weile und beobachtete mein Tun.

6 Kommentare zu „Schreibpraxis als Achtsamkeitsübung und die „Beziehung“ zu meinem Haartrockner

  1. Grad dini gschicht gläse. Super guet und witzig zuugliich!!!!!! 😀😀 Du schriibsch ächt mega👍🏼😍 so unterhaltsam wiä dini Sprachnachrichte…. ich lose und läse dir sooo gern zue… 😘

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