#outofcomfortzone – muss das sein?!?

Kennst du Julia Engelmann und ihr legendärer Slam-Poetry-Auftritt? Auf dieses Video stiess ich zufällig wieder einmal, als ich gerade überlegte, ob ich nun eine Mutprobe wagen oder meinem Bluthochdruck zuliebe einen Auftrag absagen sollte.

«Unser Dopamin – das sparen wir immer, falls wir es später brauchen. Wir sind jung und haben so viel Zeit, warum soll’n wir was riskieren? Wir wollen keine Fehler machen, wollen auch nichts verlieren.» … hörte ich Julia sagen, währenddem ich in Gedanken war …. „Tja, also ganz so jung bin ich ja inzwischen nicht mehr … 😉 …. sprich meine künftige Erfahrungszeit ist kürzer und tja, verlieren konnte ich maximal einen Kunden und wahrscheinlich für ein paar Tage ein Stück Selbstvertrauen“ …so mein innerer Dialog …

Doch worum geht es hier überhaupt?
Im Herbst 2020 wurde ich angefragt, ob ich einen Abteilungsworkshop zu Rollenkonfliktthemen mit 15 Personen moderieren könnte. Bereits im Jahr 2019 hatte ich jedoch beschlossen, mich auf Coaching in kleineren Settings bis max. 5 Personen zu konzentrieren. Diese Anfrage war also bereits von der Personenanzahl ausserhalb dessen, was ich «eigentlich» anbiete. Dazu kam noch das nicht zu unterschätzende konfliktpotentialträchtige Thema sowie die Rahmenbedingung, dass es nur online möglich sein würde. «Oh nein, das kann ich nicht. Rollenthemen würde ich eh mit maximal 5 Personen anschauen» war meine erste Reaktion und dankende Ablehnung.

Ich weiss nicht mehr genau, wie mir geschah – den Co-Abteilungsleitern gelang es jedenfalls, mich zu überzeugen (die kannten mich zu gut und wshl auch meinen Enneagrammtypus ?). Ich beendete die Sitzung mit ihnen mit einem «Ja, aber ….». Um dann an jenem Abend zu Hause ein Gefühlschaos von Selbstmitleid bis Selbstver … zu durchleben. Kennst du solche Situationen eventuell auch? Mitten im Strudel kam mir das Drei-Zonen-Modell aus der Erlebnispädagogik in den Sinn … und ich befand mich danach selbstdiagnostiziert tagelang nicht nur in der Wachstums/Lern- sondern klar an der Grenze zu oder tageweise auch IN der Panikzone. Doch gleichzeitig war mein Ehrgeiz geweckt!

Auch als Coach und Beraterin ermuntere ich Kunden*innen, die Komfortzone zu verlassen und sich auf neue Wege abseits des Gewohnten und Sicheren zu begeben oder zumindest dahin zu denken. Allerdings ist immer das Gesamt-System zu beachten. Denn ständig und ausschliesslich ausserhalb der eigenen Komfortzone zu agieren, erfordert einen enormen Energieaufwand. In der Komfortzone fühlen wir uns wohl und haben die Kontrolle über unser Umfeld und unsere Aufgaben. Und das ist wichtig für unsere physische und psychische Gesundheit. Der Psychologe L. Vygotsky hat den Begriff der „Zone der proximalen Entwicklung“ geprägt. Damit ist gemeint, dass Lernen vor allem in der Nähe unserer Komfortzone stattfindet: Ist die Arbeit zu einfach, wird ein Kind sich langweilen. Ist die Arbeit aber zu schwer, ist es bald frustriert und es wird kein Wachstum stattfinden. Erst in dem Bereich zwischen der Komfortzone und der Panik-oder Frustrationszone findet Lernen und Wachsen statt. Das bedeutet, dass wir Herausforderungen bewusst annehmen sollten, nicht ohne aber uns unsere Grenzen bewusst gemacht zu haben.


Nun zurück zu meiner Erfahrung im November 2020:

Versand von Unterlagen und Hilfsmitteln für das Meeting – u.a. M+Ms für ein Wissens-Orakel

ich kannte meine Grenzen und ging in diesem Fall sehr bewusst darüber hinweg. Etwas «abgefedert» dadurch, dass ich mich gut vorbereitete und Zeit investierte und zwar sowohl in die technischen als auch inhaltlichen Herausforderungen. Alle Teilnehmer*innen gaben zudem ihr OK, dass es ein Versuch sei und ich abbrechen dürfte, sollte das Ganze aus dem Ruder laufen. Der wichtigste Teil der Vorbereitung war jedoch meine innere Arbeit. Ich bereitete mich ganz bewusst auch durch Ruhe, innere Dialoge sowie meine Mitte finden in Form von Meditationen, aber auch Frischluftzeit vor. Das Ergebnis: es lief besser als erwartet!

Einstieg ins Onlinetreffen

Zugegeben, es kostete Energie, eine halbschlaflose Nacht und mindestens drei Stresspickel. Und ich habe nun auch nicht regelmässig vor, eine Online-Moderation in ähnlicher Grössenordnung vorzunehmen. Wir hatten daraufhin die aufbauenden Workshops im Dezember 2020 wieder in kleineren Teamsettings online durchgeführt, was mich wieder Richtung Komfortzone brachte.

Abschliessend meine Empfehlung:
Wenn du getriggert wirst durch Aussagen wie bpsw. dass der stete Ausstoss des Stresshormons Cortisol für deinen Erfolg notwendig sei oder «nur wer wage, gewinne», achte darauf, ob du damit wirklich umgehen kannst und möchtest. Oft erlebe ich als Coach, dass jemand – wenn gar keine Komfortzone mehr vorhanden ist – zunehmend unter Angst- und Stressymptomen leidet. Dass Menschen sich bis zur Erschöpfung beinahe aufopfern – immer mit der Idee – zu «wachsen» und erfolgreich zu sein. Doch du darfst und brauchst auch ein in-der-Komfortzone-verweilen und dabei Energie auftanken können. Wie bei fast allem im Leben ist ein Gleichgewicht entscheidend für Glück und Erfolg. Also dich hin und wieder etwas wagen, dich den Ängsten stellen und Neues entdecken um sowohl fachlich als insbesondere auch persönlich zu wachsen – und dann wieder auftanken in der Komfortzone.

Und ich bin überzeugt: Schlussendlich geht es im Leben gar nicht darum in Allem wirklich gut zu sein, sondern darum, keine Angst zu haben neue Erfahrung zu machen und Neues zu entdecken.

Ein Kommentar zu „#outofcomfortzone – muss das sein?!?

  1. Der newsletter ist „geboren“ liebe Bianca. Authentisch und wunderbar und genau richtig. Immer wieder mit Angeboten für Vertiefung wo Frau/Mann diese wünscht oder es einen triggert.

    Und das mag ich ganz besonders:
    Schlussendlich geht es im Leben gar nicht darum in Allem wirklich gut zu sein, sondern darum, keine Angst zu haben neue Erfahrung zu machen und Neues zu entdecken.

    Gratulation zum Rausgehen mit Deinen Themen und Angeboten und zum Dienstag, dem zweitbesten Tag für newsletter und evtl. Deinem Besten!
    Bis gli
    herzlich
    Erika

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